ABIS Humanitaire e.V.
Entwicklung, Zusammenarbeit & Nothilfe

Aktuelles & Hintergründe


Warum humanitäre Hilfe? 


Wir greifen hier den Aspekt der humanitären Hilfe auf, indem wir auf Situationen, Erkenntnisse und Aktualitäten aufmerksam machen, deren Ursachen wie bspw. der Klimawandel nicht primär bei den Menschen vor Ort liegt, sie aber dessen Konsequenzen überproportional tragen.  Burkina Faso befindet sich aufgrund der Terrorgefahr und zunehmender Instabilität, in einer humanitären Krise. Insbesondere die von ABIS unterstützte Sahel Region im Norden des Landes ist davon betroffen. 

Unsere Schwerpunkte beziehen sich daher auf Informationen über die aktuelle Konfliktsituation sowie die humanitäre Lage. Die Erkenntnisse, die wir aus offiziellen Berichten entnehmen, sollen neben unseren Beobachtungen vor Ort, die Projektentscheidungen und Förderungen stützen. Wir beziehen uns dabei u.a. auf den UNHCR, das OCHA (Office for the Coordination of Humanitarian Affairs), UNICEF oder die Welthungerhilfe.

Regelmäßige Informationen teilen wir auch über die sozialen Netzwerke


Klimawandel 

Burkina Faso ist zunehmend von den Konsequenzen des Klimawandels betroffen

Laut einer 2007 durchgeführten Studie, werden die Niederschläge bis 2025 um 3,4% sinken und bis 2050 um 7,3%. Laut dem Global Climate Risk Index 2020, ist das Land aufgrund seines Ecosystems höchst anfällig für natürliche Katastrophen, so auch Überschwemmungen und heftige Stürme (OCHA Bericht Burkina Faso 2020).


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ABIS legt aus diesen Gründen den Fokus auf den Erhalt der Biodiversität, die Bekämpfung von Bodenerosion und die Anpassung an veränderte klimatische Bedingungen durch den Anbau alternativer Getreidesorten. Mehr ...


Trinkwasser

Zugang zu sauberem Wasser zunehmend schlechter

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Bereits vor der Krise war die Infrastruktur zur Bereitstellung von sauberem Wasser ungenügend was auch zu einem Anstieg von Krankheiten führt. Der Klimawandel (Anstieg der Temperaturen, Rückgang der Niederschläge und Zunahme der Intensität von Dürren und Überschwemmungen) und die wachsende Zahl von Flüchtende intensiviert diesen Effekt (OCHA).

ABIS hat in den vergangenen Jahren den Bau von Regenwasserspeicher vorangetrieben und unterstützt weiterhin den Zugang zu sauberem Wasser.

Hungersnot

Ausmaß, Verbreitung und Ursachen von "Hunger" 

Die Welthungerhilfe berichtet über die Faktoren die zu Hunger führen. Nahezu alle dort genanten Umstände treffen auf Burkina Faso zu. Ursachen sind vor allem die Ressourcenverschwendung durch die wohlhabenden Länder wie auch der Klimawandel, der u.a. mit Wetterextremen und steigender Bodenerosion Ernteausfälle verursacht. Weitere Gründe von Hunger in der Bevölkerung sind Armut und Konflikte, Ungleichheit, ungerecht strukturierter Welthandel sowie eine schlechte bzw. unsichere Regierungsführung.

In Burkina Faso führen außerdem Viehdiebstähle durch bewaffnete Gruppen, aufgrund der bestehenden Konfliktsituation in den Sahelgebieten, zu Hungersnöten. Auch die Minderung oder gar Aufgabe von Anbauflächen, führen zu einer Reduzierung der landwirtschaftlichen Produktion. Heuschreckenplagen verstärken die Ressourcenknappheit (OCHA). 

Das ABIS Kinderhaus ist unmittelbar davon betroffen, was der Grund für den zunehmenden Hilfebedarf ist. Mehr ...


Schulbildung

Landesweite Schulschließungen

Den Bemühungen der Regierung, stehen bewaffnete nicht-staatliche Gruppierungen gegenüber. Räuberische Kriminalität und u.a. Milizen verüben gezielte Überfälle und Attacken auf Schulen. Am 10. März 2020 waren 2.512 Schulen geschlossen und 349.909 Schüler sowie 11.219 Lehrer betroffen (OCHA). Berichte von UNICEF zur derzeitigen Lage im Norden des Landes, bestätigen unsere Beobachtungen. Die Schulen in Gorom-Gorom sind wieder offen, allerdings sind diese für einen Großteil der geflüchteten Kinder aus dem Innland oder aus Mali aufgrund von Überfüllung oder Mittellosigkeit nicht zugänglich. 

ABIS unterstützt Lernorte, die von der Stadt Gorom-Gorom neu geschaffen wurden. Mehr ...

Text : Travaille donc ! Travaille donc, petit écolier ! Le pays a besoin de tes bras, Et aussi de ton cerveau. Travaille bien, petit écolier ! Demain, un soleil radieux Brillera pour les fils courageux.

TALL Rosalie Adama (Burkinische Dichterin)


Krisen und Konflikte

Herrschende Terrorgefahr in den Sahelgebieten

Bewaffnete Auseinandersetzungen und innerstaatliche Unruhen, führen zu einer permanenten Unsicherheit mit einem phasenweisen Zusammenbruch der Versorgung. Gerade deshalb fällt die Bewirtschaftung der Felder großflächig aus und die Infrastruktur verschlechtert sich. Gleichzeitig nimmt die Zahl der Geflüchteten aus Mali und anderen Teilen von Burkina Faso kontinuierlich zu. 

Die unsichere politische Lage in Mali, vermutete Präsenz von russischen Söldnern und der Militärputsch in Burkina Faso wird mit Sorge betrachtet.

ABIS stellt sich insgesamt auf eine Verschlechterung der Lage ein. 


Reflect Africa

 

Weekly Regional Humanitarian Snapshot

Das OCHA stellt den Weekly Regional Humanitarian Snapshot über West- und Zentralafrika auf, in dem über sämtliche Vorfälle in Bezug auf Naturkatastrophen, Epidemien, Konflikte und Weiteres informiert wird. 

Über eine interaktive Karte können detaillierte Informationen abgefragt werden. So wird z.B. berichtet:


Burkina Faso   28/12/2021

100,000 DISPLACED IN THE NORD CENTRE NORD IN THE LAST 2 MONTHS

Population displacement in the Nord and Centre Nord regions is increasing as non-state armed groups (NSAG) are ramping up their attacks against civilians, coercing them to leave their villages and threatening to kill them. Around 100,000 people have been forcibly displaced in both regions since early November 2021. At the end of November 2021, about 1.5 million internally displaced persons (IDPs) had already been recorded in Burkina Faso. Severe access constraints hamper the humanitarian response to the growing needs. On 23 December, a non-state armed group (NSAG) attack on a civilian convoy led to the death of 41 people and forced thousands of people to flee the town of Titao as well as surrounding villages in the Loroum province, Nord region.


Phasen der Ernährungsunsicherheit 


Quellen und Text: Welthungerhilfe und OCHA, lt. IPC Index. Stand 2021

Laut OCHA ist die von ABIS unterstützte Provinz Oudalan mit den Phasen 4-5 der Ernährungsunsicherheit Skala eine der höchst betroffenen Regionen. Dieser Zustand ist gegenüber der noch im März 2020 prognostizierten Situation um etwa 57 % gestiegen.

Phase 1: Minimal

Haushalte sind in der Lage, den Grundbedarf an Nahrungsmitteln und Non-Food-Produkten zu decken, ohne dabei atypische oder nicht nachhaltige Strategien zum Beschaffen dieser verfolgen zu müssen. 

Phase 2: Angespannt

Haushalten steht ein minimal angemessenes Angebot an Nahrungsmitteln zur Verfügung. Einige wesentliche Non-Food-Produkte sind jedoch ohne atypische oder nicht-nachhaltige Strategien nicht erschwinglich.

Phase 3: Krise

Haushalte haben entweder nur einen eingeschränkten Zugang zu Nahrungsmitteln, der sich in einer hohen Unterernährung widerspiegelt oder sind kaum in der Lage, den Mindestbedarf an Nahrungsmitteln zu decken, ohne dabei wesentliche Ressourcen zur Sicherung des Lebensunterhalts zu erschöpfen. Rund 2.761.903 Menschen 13% der Burkinischen Gesamtbevölkerung befinden sich in Phase 3 (ernste Lage).

Phase 4: Notfall

Haushalten stehen so wenige Nahrungsmittel zur Verfügung, dass eine akute Unterernährung besteht, die sich in erhöhter Sterblichkeit widerspiegelt. Oder sie sind zwar in der Lage, den Mindestbedarf an Nahrungsmitteln größtenteils zu decken, jedoch nur durch den Einsatz von Notfallstrategien und dem Verkauf von Vermögenswerten. Rund 507 503 Menschen 2% der Burkinischen Gesamtbevölkerung befinden sich in Phase 4 (sehr ernste Lage).

Phase 5: Hungersnot

Haushalte haben trotz Notfallstrategien einen extremen Mangel an Nahrungsmitteln und Non-Food-Produkten, der sich in extrem kritischer Unterernährung, Verelendung und sehr hoher Sterblichkeit widerspiegelt. Phase 5, die Hungersnot (engl. Famine), ist laut des IPC dann erreicht, wenn:

mindestens 20 % der Bevölkerung einer Region weniger als 2100 Kilokalorien pro Tag essen kann.

  • mindestens 30 % der Kinder einer Region unter akuter Unterernährung leiden.
  • mindestens zwei von 10.000 Menschen in einer Region täglich aufgrund von Nahrungsmittelmangel sterben.

Rund 11.394 Menschen, d.h. 0,05% der Burkinischen Gesamtbevölkerung, befinden sich in Phase 5 (gravierende Lage).



Welthungerhilfe: Bericht und Kriterien über Hungersnöte
OCHA: CYCLE DE PROGRAMME HUMANITAIRE 2021 PUBLIÉ EN MARS 2021
IPC: Integrated Food Security Phase Classification


Source: Courrier international - Publié le 09/12/2021 - 16:57

Sahel.La force onusienne au Mali contestée pour son impuissance

Source: Courrier international - Publié le 09/12/2021 - 16:57


Photo / Vincent Bado / ReutersPhoto / Vincent Bado / Reuters

Terrorisme.Au Burkina Faso, un gouvernement tombe, l’insécurité demeure

Source: Courrier international - Publié le 09/12/2021 - 12:54



AKTUELLE BERICHTE 

Klimawandel:

Extreme Überschwemmungen - Afrikas Sintflut

Zerstörte Häuser, überschwemmte Felder: Teile des Kontinents sind von extremen Regenfällen betroffen. Noch nie hatten die Menschen mit derartigen Wassermassen zu kämpfen.

„Der Regen fällt immer häufiger zu früh, zu spät, gar nicht oder in zu großen Mengen“, sagt Bettina Iseli, Programmdirektorin der Welthungerhilfe. „Das Wetter ist verrückt geworden.“ Allein in West- und Zentralafrika sind von den jüngsten sintflutartigen Regenfällen mehr als 800 000 Menschen betroffen, in Ostafrika sollen es sogar 2,4 Millionen sein. 

Quelle: Der Tagesspiegel (online), J. Dieterich (Johannisburg) - 27.09.2020, 18:51 Uhr

Aktuelles

"Vor nicht notwendigen, touristischen Reisen nach Burkina Faso wird gewarnt." Auswärtiges Amt

Terrorismus, kriminelle Übergriffe und rein materiell motivierte räuberische Kriminalität nehmen zu.


Burkina Faso: Internet Shutdown seit dem 20. November

Bloomberg

Unsicherheit und Konflikte:

[...] Burkina Faso liegt in Westafrika und ist Teil der Sahelzone. Das Land ist geprägt von Konflikten zwischen verschiedenen ethnischen Gruppen, gewalttätigen Angriffen bewaffneter Gruppen, Menschenrechtsverletzungen, und zunehmender sozioökonomischer Ungleichheit zwischen den nördlichen und zentraleren Regionen. Das hat besonders in den letzten Jahren zu einer enormen Binnenvertreibung geführt.

[...] Flüchtlinge aus Mali: Etwa 13.000 Flüchtlinge aus Mali leben in Burkina Faso. Aufgrund anhaltender Unsicherheit in ihrem Heimatland, ist eine sichere und würdevolle Rückkehr für die meisten unmöglich. Doch auch in Burkina Faso ist kein Verlass auf ein Leben in sicherer Umgebung. Viele Flüchtlinge im Land müssen daher zum wiederholten Mal fliehen.

[...] GEFLOHEN VOR DER GEWALT IN BURKINA FASO: ZUNEHMENDE GEWALT ZWINGT MEHR ALS 1 MILLION MENSCHEN ZUR FLUCHT

Quelle: UNO - Flüchtlingshilfe Deutschland für den UNHCR

Fachjournal der Welthungerhilfe:

Eskalation im Sahel: Eine Region gerät außer Kontrolle

Europas Engagement bringt weder Sicherheit noch Entwicklung. Die Ursachen liegen bei den Regierungen vor Ort und der Vielzahl der Akteure.

Entwicklungspolitik & Agenda 2030 02/2020 Prof. Dr. Matthias Basedau

[...] Alle fünf Staaten (Mauretanien, Mali, Burkina Faso, Niger und der Tschad) wurden in Vergangenheit und Gegenwart von dschihadistischer Gewalt heimgesucht.

[...] Die dramatischste Entwicklung erlebt Burkina Faso: War das Land nach dem Sturz des langjährigen Potentaten Blaise Compaoré eine Hoffnung für Demokratie, so droht es nun in politisches Chaos abzugleiten. Die Sicherheitskräfte sind überfordert.

[...] In der deutschen Öffentlichkeit wird zudem bisweilen auf den undemokratischen Charakter der politischen Systeme hingewiesen. Hier gibt es aber – mehr noch als für andere Merkmale – bedeutende Unterschiede zwischen den Ländern. Bei Mauretanien und dem Tschad handelt es sich um „harte“ autokratische Regime, während Burkina Faso, Mali und Niger weitaus demokratischer regiert werden. Alle Präsidenten in diesen Ländern gingen aus freien Wahlen hervor, auch wenn es nicht zuletzt wegen der Gewalt im rechtstaatlichen Bereich Defizite gibt.

© 2022 | A.B.I.S Humanitaire e.V. - Association Burkinabè Idi du Sahel

 
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