Geboren im Sahel
Fulbe, Songhai und Touareg Grenzüberschreitend im Einklang
Burkina Faso
Im land der aufrichtigen Menschen
Über die Piste nach
Gorom-Gorom
Tondi-Kara, der Markt und die Dromedare
Als Tourist unterwegs
Reiseberichte, Infos und Empfehlungen
GEBOREN IM SAHEL WEST AFRIKAS

"Man muss dort geboren sein um dort wohnen zu wollen", sagte man mir als ich die Hauptstadt in Richtung norden verließ.

Es ist eine ganz besondere Gegend, die bei genauerem hinschauen etwas magisches in sich verbirgt. Trockenheit, Sandstürme, Wasserknapheit und einseitige Nahrung prägen oft den Altag.

Die Landschaft ist karg, doch es sind die Leute die dort leben die alles rund herum aufleben lassen. Tagsüber wird unter der glühenden Sonne gearbeitet oder in einem Ritual Tee getrunken. In der Dämmerung kehrt Ruhe und Frieden ein. Nachts wiederum, wenn man aufmerksam ist, ist die Brousse (Steppe) wieder Lebendig.

Der Sahelien, wie man ihn dort nennt, macht aus allem etwas, alles ist zu gebrauchen, zu tauschen um auf den Märken wieder verkauft zu werden. Es gibt immer etwas zu erzählen und zu erfahren im Sahel und wenn man ein wenig Zeit hat und "als Tourist unterwegs"nicht nur auf der Durchreise ist, bekommt man einen Einblick in diese andere Welt.


DIE MALEBE

Sie kamen aus Macina (Mali), heißen Tembo, Diallo, Sau u.s.w. Ursprünglich sind sie Peuhl (Fulbe).
Sie sind den Niger Fluss entlang nach Gorom gekommen.
Es sind Züchter, hauptsächlich von kleineren Wiederkäuern. Sie sind im ganzen Sahel vertreten, harte Krieger die u.a. die Gourmantché verjagten und gegen die Touareg kämpften mit denen sie sich später verbündeten.

Sie waren in dieser Region eher seshaft und bauten Städte.

Ursprüngliche Bewohner Goroms, haben sie sich mit den Sonrai vermischt, zu 95% Bauern, leben in den Tag hinein mit der ständigen Furcht, dass die Niederschläge nicht ausreichend sein werden um Hungersnöten abzuwenden.

Ihre Stammessitten haben sie zu Gunsten des Islams aufgegeben, der die am weitverbleitesten Religion (90%) in der Region darstellt.

Die Scolarisierung der Kinder ist gering und das durchschnittliche Tageseinkommen pro Kopf liegt unter einem Euro, ungefähr 210,00 Franc CFA (35 Cent), was jegliche Entwicklung hemmt.

Zum Lebensunterhalt werden Landbau und Viehzucht betrieben. In der Gegend von Gorom werden Sekos (Strohmatten) gebunden und verkauft um ein wenig Geld zu bekommen.

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Touareg Touareg

DIE SONGHAI

Das auseinanderbrechen des Sonrai-Reiches in Mali zwang
bestimmte Völker ins Exil. Einige blieben am Ufer des Nigers,
andere zogen bis Gorom weiter.
Unterwegs traffen sie auf die Mallébé, mit denen sie sich
verbündeten, heirateten Mallébé-Frauen und zwangen
den anderen ihren Dialekt auf.

Die Sonrai sind in allen größeren Dörfer der Region vertreten.
Sie sind ebenfalls Bauern und führen ein ähnliches Leben
wie die Mallébé.

In Ihren Dörfern herrscht eine Hierarchie die seit der Revolution von 1983 immer mehr nachließ.

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DIE PEUHL

Die Fulbe wie man sie geläufig nennt, kamen aus Segou dem Toucouleur Reich von Cheik Amadou Tall, einem frommen Moslem und Verfechter seiner Religion.

Als sein Reich zusammenbrach, verteilten sie seine Anhänger auf die verschiedenen Sahelzonen.

Auf der Suche nach Reichhaltigem Land, um Futter und Wasserstellen für ihre Herden zu finden, denn sie waren Viehzüchter, heute noch die Größten Burkinas. So kamen sie in die Provinzen Soum, Yaga, Seno und Oudalan. Sie waren es, die die Region islamisierten die bis dahin Animistisch geprägt war.

Dennoch, trägt dieser Reichtum an Rinder wenig an der Entwicklung des Landes bei, denn es sind ewige Nomaden.

Die zweite Welle kam mit dem Vorhaben das ganze Land zu Islamisieren. Die Leute leben heutzutage um Gorom herum.

Unter ihnen, frühere Krieger die ganze Dörfer zerstörten und ihre Religion zuführten und ihnen ihre Sprache, das Peuhl aufzwangen.

Heute ist Gorom zu 95% Moslem – Peuhl ist über die Grenzen hinweg die Handelsprache der Region.

Manche sind im laufe der Jahre sesshaft geworden. Andere Nomadisieren weiter um der Hungersnot zu entgehen (cf. 2004-2005). Leider sind sie die die am wenigsten gebildet sind und bleibt ein akutes Problem für alle Sahelländer.

Die Peuhl bleiben mit ihren „Sklaven“ (Leibeigene, Knechte, Captif) die Verfechter des Islams. Sie spielen eine wesentliche Rollen in der Wirtschaft des Sahel – Ihr Dialekt ist der meistgesprochene Westafrikas.

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DIE BELLAH

Sie stammen aus verschiedenen Ethnien (Sonrai, Bissa, Gourounsi, Gourmantché, Mossis u.s.w.
Während der von Touareg, Mauren und Almohravischen Berber durchgeführten Razzien, sind viele Völker versklavt oder zu Zwangsarbeiten gezwungen worden. Diese Kriegen fingen am Rand des Maghrebs an und zogen sich zum Schluss über die ganze Westafrikanische Sahelzone.

Diese Sklaven sind verschiedenen Zwängen unterworfen : Dialekts (Tamaschek), Unterwerfung und Gehorsam ihrer Touareg-Herren gegenüber. All diese versklavten Völker nennt man Bellahs oder Iklanane („Touareg-Sklaven“). Sie bleiben ohne Ressourcen und arbeiten nur um ihre Herren, die Touareg zu ernähren. Sie arbeiten auf den Feldern, stampfen die Hirse, massieren die Chefs und ihre Frauen und kümmern sich letztendlich auch um deren Kindern.

Als „Untertan-Ethinie“, dürfen sie weder mitreden noch kritisieren, sonst werden sie bestraft und verbannt.
Sie bilden jedoch die größte Ethnie des Oudalan und des Departement (Kommune) Gorom-Gorom. Lange noch vor der Französischen Kolonisierung benutzten sie die Schrift der Herren, das Tifnar.
Diese Schrift wird von Rechts nach links und von oben nach unten geschrieben. Im Gegensatz zu den anderen Schriftweisen.

Heutzutage nehmen sie sich immer öfter ihre Freiheit gegenüber ihren Herren und werden zunehmend eingeschult.

Trotz dieser Fortschritte und Änderung bleiben sie zu 97% Bauern und leben am Existenzminimum. Die Revolution hat sie hierbei unterstützt und ihnen offiziell „Unabhängigkeit“ beschert, obwohl in bestimmten Gegenden noch viel zu tun ist.

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DIE TOUAREG

Sie sind Krieger, Salz, Datteln und Stoffhändler ferner, auch gläubige Moslems.
Sie kommen aus Nord-Afrika und haben sich im Zuge des Sklavenhandels in Schwarzafrika besonders in Mali Niedergelassen.

Als grausame Krieger aus den Wüsten Nordafrikas, verwüsteten sie damalige reiche, nahmen Millionen von Schwarzen gefangen und versklavten sie. Chefs der Provinz dessen Name sie auch gaben, Oudalan „blaues Zelt“ in Tamaschek, weil ihre Zelte aus Rind- und Kamelleder von Ihren Bellah-Sklaven blau gefärbt wurden.

Als Kamelzüchter lebten sie von der Jagt und vom sammeln, hauptsächlich aber von den Datteln und der Milch ihrer Kamelstutten.
Ein einziger Touareg zog mit zehn Bellah-Leibwächtern. Es war ein außergewöhnliches Regime.

Heute sind sie in der Minderheit – Die Revolution hat ihr Dasein als Herrscher herabsetzt und sie ins Exil gezwungen. Viele sind nach Niger oder Mali gezogen, wo sie heute noch bestimmte Landstriche beherrschen.

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WEITERE ETHNIEN IN DER REGION

Eine andere Ethnie die wir in unserem Dialekt gewöhnlich als „Captif“, Gefangene bezeichnen leben bei den Mallébé und Peuhl (Fulbe). Mutig und arbeitsam, pflanzen sie Getreide oder Gemüse an und leben immer noch in der Nähe der Prinzen Familien von Gorom. Heute kämpfen sie für ihre Anerkennung als freies und unabhängiges Volk.

Weitere Ethnien haben sich nach und nach niedergelassen:

  • Die Haussa, die das zweite Arrondissement von Gorom besiedelt haben, nach Rangordnung mit ihrem Chef.
    Sie sind gut organisiert, handeln mit Kunstgewerbe und Kultgegenständen.
  • Die Mossi: Sie treiben Handel und Viehzucht.
  • Andere sind beruflich wie z.B. Beamte hinzugekommen.

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GESUNDHEIT UND BILDUNG

Zu den immer wiederkehrenden Hungersnöten, kommen Krankheiten wie Aids (viele Aidsweisen ziehen durch die Strassen auf der Suche nach einer Empfangsfamilie), sowie Tuberkulose Krankheiten die mit der Benutzung von unreinem Wasser zusammenhängen, denn das Wasser wird aus Tümpeln oder Brunnen genommen. All dies bremst den Fortschritt.

In Gorom zählt man eine Wasserpumpe pro 1000 Einwohner. Viele dieser Bohrbrunnen sind nicht mehr brauchbar, weil sie aus Mangel an Reparaturmitteln nicht mehr gebraucht werden können..

Die Medizinische Versorgung ist auf sehr niedrigem Niveau. Es gibt nur 15 Primäre Gesundheitsstellen für 24 Dörfer und ein einziges Medizinisches Zentrum.

Bis jetzt ist die Schule in manchen Dörfern unbekannt und bleibt der Urbanen Bevölkerung ferner bestimmten Ethnien vorbehalten.
Um dem entgegen zu wirken, wird immer mehr Alphabetisierung in den verschiedenen Dialekten durchgeführt. 80% der Bevölkerung sind trotz allem Analphabeten.
Die Mehrheit der Schüler verlassen nach dem CM2 (6. Schuljahr) die Grundschule, weil sie kein Geld für den Besuch des College (Gymnasiums) haben. Dies führt zu frühen Eheschließungen durch die Familien die kein Geld haben um die weitere Fortbildung, hauptsächlich der Mädchen zu gewährleisten.

Nach einer in den letzten 5 Jahren durchgeführten Studie, werden :

  • 40 bis 50 Schüler pro Jahr in den Schulen von Gorom entlassen, weil die
    Schulkosten von den Eltern nicht mehr getragen werden können.
  • 1/4 der Schüler können nach dem CEP (Grundschulabschluss), das College aus den selben Gründen nicht besuchen.
  • 3 von 5 Kindern haben weder Geburtsurkunde noch Ersatzpapiere. Von diesen Kinder erreichen nur 1/5 das 5. Schuljahr.

Die Provinz gehört zu den ärmsten des Landes. Die Bemuhungen der Regierung und der wenigen NGOs (Non Gouvernemental Organisation - Hilfsorganisationen) bleiben ungenügend.

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UMWELT, LANDWIRTSCHAFT, VIEHZUCHT UND HANDEL

Die Umwelt

Mitten im Sahel gelegen, leidet Gorom an Wassermangel – Es fällt weniger als 300 mm Regen im Jahr. Diese Niederschlagsmenge reduziert die Viehzucht und Landwirtschaft auf eine „Überlebungswirtschaft“. Die Bäume werden seltener und die, die zurückbleiben sind Dornig (Arcacia).

Die Landwirtschaft

Sie ist die Hauptbeschäftigung – Mehr als 90% der Bevölkerung betreibt eine Überlebenswirtschaft, oder eine Landwirtschaft zu selbstversorgung. Die Werkzeuge bleiben sehr primitiv : Hacken, Dabas oder ähnliches.

Es werden hauptsächlich Hirse und Sorgho (Getreideart) angebaut, sowie Bohnen und Mais in geringerer Menge zum verkaufen.
Hirse ist die am meisten verzehrte Getreidesorte. Der Größte Teil aller Speisen werden aus Hirse hergerichtet. Reis wird ebenfalls angebaut, bleibt aber für die Mehrheit unerschwinglich und ist für die Feiertage und Feste Bestimmt.

Die Viehzucht

Es werden Rinder, Dromedare, Schafe und Ziegen gezüchtet. Trotz der klimatischen Schwierigkeiten, bleibt die Sahelzone hauptsächlich Viehzuchtgebiet mit einer begehrten Fleischqualität.

Heutzutage betreiben auch die Frauen intensive Viehzucht. Die sogenannte „Embouche“ (Mästung) unterstützt die Familien und die Fortbildung der Kinder.
Die Mittel der Viehzucht bleiben dennoch Primitiv.

Der Handel

Wegen des katastrophalen zustand des Straßennetzes, ist er kaum entwickelt. Einige Fremde Händler verkaufen zu überhöhten Preisen und die Bevölkerung sieht sicht gezwungen das wenige zu kaufen was ihr angeboten wird.

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© 2010 | A.B.I.S Humanitaire e.V. - Association Burkinabé Idi du Sahel - Stephanie Ursulet
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